Berliner U-Bahn: es gibt auch nette Kontrollettis

gabihelmchen_Berliner-U-Bah     Veröffentlicht am 30.05.2016

U-Bahn Bayerischer Platz an einem Morgen so gegen 9. Eine Frau um die 55 sitzt auf einer Bank. In ihrer Nähe stehen 2 männliche Kontrollettis und ein weiterer Mann. Dieser wurde anscheinend ohne gültigen Fahrausweis aus der U-Bahn geholt. (Habe ich nicht mitbekommen, aber solche Situationen gibt’s ja öfter.) 

Das Gespräch ist recht einseitig, da der Mann wenig bis kein Deutsch versteht und spricht. Während ich an der kleinen Gruppe vorbeigehe höre ich ein ziemlich lautes „NEIN!“ Also, Ohrstöpsel mit Hörbuch raus, umdrehen und stehen bleiben. Die Anwesenden sollen sehen, dass sie beobachtet werden. Der eine Kontolletti hat einen Migrationshintergrund und spricht deutsch mit ziemlich mangelnder Grammatik. Er deutet auf die Jacke des Mannes und will sie anfassen, aufmachen oder so. Der Mann sagt wieder sehr laut „NEIN!“. Daraufhin mischt sich die Frau auf der Bank ein. „Nun, lassen Sie ihn doch gehen!“ Kontrolletti zum Mann: „Wo wohnst du?“ – Mann: „Tempelhofer … “ – „Wo ist dein Ausweis?“ Der Mann schüttelt den Kopf. Die Frau: „Es ist doch schlimm genug, was er erlebt hat, lassen Sie ihn doch gehen!“ Kontrolletti zur Frau: „Das geht nicht. Der Kollege hat den Fall schon aufgenommen.“ Gerade will ich sagen: „Ich kaufe dem Mann ein Ticket.“, da kommt von der Frau auf der Bank das gleiche. Ich bewege mich auf die Gruppe zu. Als die Kontrollettis das sehen, nehmen sie den Mann in ihre Mitte und führen ihn weg. Langsam gehe ich hinterher, habe das Gefühl, sie verstecken sich hinter einem Pfeiler. Eine äußerst merkwürdige Situation. Was machen die da jetzt? Soll ich hingehen? Oder verschlimmere ich dann die Lage? Ich schaue auf dem anderen Bahnsteig nach, da sind sie nicht. Also wieder auf „meinen“ Bahnsteig und da kommt mir der Mann entgegen. Ich frage: „Was ist los?“ Er sagt: „Alles gut. Nix machen.“ Er setzt sich zu der Frau auf der Bank, es beginnt eine schwierige, aber freundliche Unterhaltung. Ich habe ihm kein Ticket gekauft, die Frau auf der Bank auch nicht. Sie steigen gemeinsam in die nächste U-Bahn.

Ich erkläre mir das Geschehen so: die Kontrollettis hatten Mitleid. Das konnten sie aber vor der Frau auf der Bank und mir nicht zeigen. Ihr Job ist es ja gerade Leute zu erwischen und auch zur Kasse zu bitten. Deswegen gingen sie mit dem Mann um die Ecke. Wir haben somit nichts gesehen und nichts gehört, und sie konnten dann schnell verschwinden.

Wenn der Mann jetzt nicht gleich wieder kontrolliert wird, kann mensch sagen: Ende gut, alles gut. Denn es gibt auch nette Kotrollettis und aufmerksame Mitreisende.

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Für alle, die das Video nicht abspielen können, gibt es hier ein Standbild.

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