Bildbearbeitung – glatter, jünger, schöner

gabihelmchen_selfie    Veröffentlicht am 05.06.2014

Wer lässt sich schon gerne fotografieren? Ich nicht. Aber anscheinend doch eine Menge Menschen. Sie machen Selfies, die sie versenden, posten, twittern oder anders in der Welt verbreiten. Warum? Um zu beweisen, dass sie hier sind? Dass sie etwas bestimmtes an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit gemacht haben. Will ich das immer alles wissen? Nein, eigentlich nicht. Selfies sind das Gegenteil von Bildbearbeitung. Sie sind direkter, ehrlicher, aktueller. Manchmal informativ, oftmals überflüssig. Aber es scheint dabei einen Spaßfaktor zu geben, der sich mir bis jetzt nicht erschlossen hat. Das mag daran liegen, dass ich mich – wie gesagt – nicht gern fotografieren lasse. Auch nicht von mir selbst. Im www bin ich bis heute mit einem Foto unterwegs, dass circa 20 Jahre alt ist. Von mir verfremdet, so kann mich fast niemand erkennen, aber immerhin gibt es ein Bild. Ich brauchte ganz dringend ein aktuelles Foto von mir, deswegen schenkte mit eine Freundin ein Fotoshooting. Richtig professionell mit allem Pipapo. 90 Minuten, hunderte Fotos, zig Posen in zig Ambiente. Relativ entspannt – die Fotografin war hervorragend – ziemlich anstrengend. Am Ende durfte / musste ich mich für 2 Fotos entscheiden: ein seriöses und ein ungewöhnliches. Sie haben bzw. ich habe mir tatsächlich gut gefallen. Dann kam die Frage nach der Bildbearbeitung: Falten weg, Hautunreinheiten weg, glatter, jünger, schöner? Nö, eigentlich nicht. Oder doch? Naja, die Narben am Kinn, also, wenn die ein wenig retuschiert werden würden, das wäre schon schön. Noch was? Jetzt kann ich es noch sagen, alles wird präzise notiert, dann umgesetzt, Reklamationen ausgeschlossen. Aber ich muss darüber nicht weiter nachdenken. Nur die Falten am Kinn – das reicht. Dann begann die Zeit des Wartens, und ich fragte mich, ob mir die Fotos 3 Wochen später immer noch gefallen würden. Die Fotos kamen und ich dachte: “Wow!” Ja, schön waren sie immer noch, ich kann damit leben, ich kann sie ins www stellen. ABER: sie hatten mich verjüngt, so 10-15 Jahre. Da ich meistens jünger geschätzt werde als ich bin, kann ich zu diesen 15 Jahren nochmal 5 dazu geben und komme wieder auf 20. Jetzt habe ich ein aktuelles Foto, auf dem ich ungefähr genau so alt aussehe, wie auf meinem bisherigen. Allerdings ist es jetzt in Farbe und von einem Profi gemacht. Nachdem ich eine weile über die Veröffentlichung nachgedacht habe, bin ich nun zu dem Schluss gekommen, dass ich dieses neu Ich im www verbreite, poste, twittere. Vielleicht mache ich ja irgendwann auch nochmal ein Selfie – zum Vergleich von Virtualität und Realität …

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