Global Player – Wo sind die Drachentöter?

gabihelmchen_global player    Veröffentlicht am 12.07.2013

Im Märchen zieht der mutige Prinz (Vielleicht gibt es auch moderne Märchen, wo diesen Job eine Prinzessin übernimmt?) hinaus in die weite, gefährliche Welt und tötet den Drachen. Er tut das, weil er dafür etwas bekommt, meistens eine Prinzessin. (Vielleicht gibt es auch moderne Märchen, wo er einen Prinzen bekommt?) Aber ob nun alte oder neue Märchen: Märchen bleibt Fiktion, und die Realität kommt nicht mit. Drachen standen und stehen für das Böse, Gefährliche, Unberechenbare. (Alle guten Drachen sind hier mal ausgenommen.) Menschen hatten und haben Angst vor ihnen. Sie fühlen sich zu schwach, zu klein, um gegen sie zu kämpfen. Deswegen braucht es den Prinzen oder den Helden oder den Supermann (oder die Prinzessin, die Heldin, die Superfrau). Diese Person wird das Problem lösen, und hinterher sind alle glücklich. Wenn es diese EINE Person aber nicht gibt, was dann? Nichts tun, warten, hoffen? Dass der Kelch vorüber gehen möge, dass sich das Problem von alleine löst? Das kann erstens in die Hose gehen und zweitens sehr lange dauern, eventuell, bis es zu spät ist. Es gibt zwei Alternativen, die in Märchen nicht vorkommen: gemeinsames Handeln oder es handeln ganz viele (nach dem Motto: Kleinvieh macht auch Mist). Die heutigen Drachen sind die Global Player, die Multis, die Großkonzerne. Sie verkaufen Wasser (Nestlè), sie patentieren Mais (Monsanto), sie lassen billiges Fleisch herstellen (Burger-Ketten). Sie bedrohen ihre Gegner, sie fälschen Gutachten, sie kaufen PolitikerInnen, sie setzen ihre Interessen gegen alle Widerstände durch und dazu ist ihnen jedes Mittel recht. Wenn niemand mehr ihre Produkte kaufen würde und PolitikerInnen tatsächlich am WählerInnen-Auftrag gemessen würden (bei Zuwiderhandlung droht: Amtsenthebung, Strafverfolgung, ersatzlose Streichung alles Bezüge etc.), dann … Ja, dann bräuchte es keine einsam kämpfenden DrachentöterInnen mehr. Denn dann ginge den Multis die Luft aus bzw. ihr Feuer wäre erloschen. Und niemand bräuchte mehr Angst vor ihnen zu haben. Und dann wäre das Märchen zu Ende, und alle lebten glücklich und zufrieden.

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