Hörbücher – sind die zum Hören oder eher Ratespiele?

gabihelmchen_hoerbuecher    Veröffentlicht am 12.08.2014

Früher habe ich in öffentlichen Verkehrsmitteln Bücher gelesen. Ob Fachliteratur oder Krimi. Je nach Laune, Strecke oder Notwendigkeit. Heute geht das nicht mehr. Manche Dinge haben einen Vorteil und gleichzeitig einen Nachteil. So z. B. gutes Hören. Es ist toll, wenn mensch gut hören kann. Ich kann das. Überdurchschnittlich gut. Also, Flöhe höre ich nicht husten, aber sonst fast alles. Das ist ein Vorteil. Der Nachteil: ich höre ALLES. Und ich bin Geräusch empfindlich. Mich stören die Töne, die Kaugummi kauen verursacht. Zwischen eklig und unästhetisch. Auch Menschen ohne Taschentuch, die ständig ihre Nase hochziehen, können mich in den Wahnsinn treiben. Seit der Erfindung von tragbarer Musik gibt es für mich ein neues Dilemma: ich muss immer mithören, was mein/e NachbarIn so hört. Und damit kann ich nicht mehr lesen. Ich weiß, andere Menschen können das. Aber was hilft mir das? Ich kann es nicht. Unangenehme Geräusche stören meine Konzentration. Und dann kam die Erfindung des tragbaren Telefons dazu. Nun muss ich auch noch unendliche Belanglosigkeiten mithören. Also, das mit dem Lese wird nichts mehr. Aber nur so Herumstehen mag ich auch nicht. Also muss ich selber etwas hören. Wie gut, dass es Hörbücher gibt. Und dann mache ich eine Erfahrung, mit der ich absolut nicht nicht gerechnet habe: Hörbücher sind anscheinend meistens gar nicht zum Hören gedacht. Die Aufnahmequalität ist unterirdisch. Musik, wird mir in die Ohren geschmettert, das gesprochene Wort eher geflüstert. Oder die eine Stimme ist gut verständlich, die antwortende eher gehaucht und die nächste gebrüllt. Das ist so ähnlich wie bei den Werbeblocks im Privatfernsehen, mensch braucht ständig eine Fernbedienung um die Lautstärke zu regulieren. Was soll das? Aber die allermeisten Hörbücher sind schlicht und einfach zu leise. Wir davon ausgegangen, dass ich in einem Schall isolierten Raum sitze mit 4 Lautsprechern und den optimalen Hörgenuss zelebriere? Oder sind die Hersteller von Hörbüchern der Meinung, dass ich die Lautstärke korrigiere? Da habe ich mal wieder einen Vorteil: ich kann das. Ich kann Audio bearbeiten. Ich habe ein Programm auf meinem Laptop. Ich kann das Hörbuch einfach da durchjagen und hochpegeln. Aber ist das wirklich der Sinn der Sache? Ich fahre mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Habe ziemlich teure kleine Ohrstöpsel in den Ohren – die machen meine Geräusche für Mitreisende übrigens fast unhörbar – und muss dauernd auf Pause drücken. Z. B. in der U-Bahn. Bei Durchsagen. Beim Öffnen und Schließen der Türen. Auf Bahnhöfen. Beim An- und Abfahren. Das ist mindestens die Hälfte der Zeit, und ich kann nichts hören. Und es liegt weder an meinen Ohrstöpseln noch an meinem MP3-Player. Ich habe andere Menschen befragt, die mit Hörbüchern unterwegs sind. Die kennen das Problem auch. Soll das heißen, dass die Produzenten der Hörbücher keine Ahnung von ihrem Job haben? Oder sind die eigentlich nicht zum Hören sondern eher als Ratespiele gedacht?

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