Kindermund – Schuld haben immer die anderen

gabihelmchen_Radfahren     Veröffentlicht am 07.08.2015

„Kindermund tut Wahrheit kund.“ So heißt der alte Spruch, dem ich nicht immer zustimme. Es kommt oft viel Mist aus Kindermündern. Manchmal auch Erstaunliches. Oder zum Schmunzeln. Heute gibt es ein Beispiel, das unter die Rubrik „und du bist Schuld“ fällt. 

Ein Vater fährt und seine beiden Söhne fahren mit ihren Fahrrädern auf dem Bürgersteig. Sie wollen ein Straße überqueren. Der Vater macht das fahrend, die Söhne steigen ab und schieben. Auf der anderen Straßenseite steigt der jüngere Sohn (vielleicht 5 Jahre alt) wieder problemlos auf sein Rad und will dem Vater hinterher fahren. Der ältere (vielleicht 7 Jahre alt) ist nicht ganz so schnell. 1. ist sein ziemlich neues Rad etwas zu groß und zu schwer für ihn und 2. hängt eine Pedale am Bordstein. Er ruft sehr laut „Wartet!“ Sein Vater und sein Bruder stehen mit ihren Rädern etwa 3 Meter entfernt. Sie fahren nicht. Der Ältere quält sich immer noch mit der Pedale herum und es sieht so aus, als ob er das Rad am liebsten hinschmeißen würde. Mit einer Mischung aus Verzweiflung und Wut brüllt er: „Warum könnt ihr nicht warten?“ Der Vater antwortet: „Aber wir warten doch, wir stehen hier!“ Jetzt ist die Stimme des Älteren schon ziemlich weinerlich: „Ihr sollt warten!“ Vater: „Nun komm, wir warten doch auf dich!“ Der Ältere hat es geschafft, die Pedale klemmt nicht mehr, er hat das Rad auch auf den Bürgersteig bekommen. Aber ist nicht zufrieden: „Wieso habt ihr nicht gewartet? Ich find‘ das blöd, ich fahr‘ wieder zurück!“ Vater: „Lass es gut sein, wir sind immer noch hier …“ Der Ältere zögert einen Moment, soll er aufsteigen und zu seinem Vater und Bruder fahren oder soll er umkehren? Er entscheidet sich für Vater und Bruder und sagt: „Das war wirklich unhöflich, nicht auf mich zu warten …“ Der Vater sagt nichts mehr, fährt los, der kleinere Bruder fährt hinterher. Der Ältere schiebt noch ein, zwei Meter, dann steigt er auf sein Rad und fährt hinterher.

Was lernen wir daraus? Auch 7-Jährige sind schon in Klischees verhaftet. Ein älterer Bruder muss schneller, besser, souveräner sein. Ist er das nicht, kommt Wut und Verzweiflung auf. Und Schuld haben sowieso immer die anderen.

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