Liebesschloss – ein altmodisch neuer Trend?

gabihelmchen_liebesschloss4     Veröffentlicht am 14.11.2014

Meine Freundin HARTANGA ging auf dem Kreuzberg (in Berlin-Kreuzberg) spazieren. Machte Fotos von Liebesschlössern und schickte sie mir. Sofort stellte sich mir die Frage: Aber warum denn auf dem Kreuzberg, da ist doch gar kein Wasser und auch keine Brücke? Dann stellte ich fest, dass ich das mit dem Liebesschloss sowieso und überhaupt nicht verstehe. Also bei wikipedia nachgelesen und noch 2-3 Links gefolgt. Nun bin ich eigentlich immer noch nicht schlauer bzw. ich verstehe es immer noch nicht. Letztendlich ist es mir egal bzw. kann es mir egal sein. Aber nein, so ganz doch nicht.

Also ganz früher, da ritzten die Liebespaare Herzen in Bäume. Für sich selbst, den Gott der Bäume oder wen auch immer. Denn die Chance, dass andere dieses Herzen finden und lesen, war relativ gering. Hatte es also etwas Geheimnisvolles, Verborgenes, Verbotenes? Vielleicht. Vielleicht war es auch nur die Bestätigung einer Liebe, die 30 Jahre später evtl. noch bestand. Dann konnte das Liebespaar „sein“ Herz im Baum suchen und sich daran erfreuen. Naja. Da tun mir ja irgendwie die Bäume leid …

Etwas später, also nur früher, ritzten Liebespaare ihre Namen in Bänke. Das konnte dann jeder lesen. Also war es eher eine Demonstration einer Liebe? Ein sich bekennen oder zur schau stellen? Kann sein. Den Bänken tat das nicht so weh, denn sie waren ja schon tot.

Und noch etwas später, also heute, werden Schlösser an Brücken befestigt. In Zeiten von Internet und Globalisierung hat es etwas Rührendes. Liebespaare erwerben Schlösser, beschreiben sie oder lassen sie gravieren und tun dann ihre liebe an einem Brückengeländer kund. Hmm. (Es gibt Internetseiten, die weltweit zur Verfügung stehende Brücken auflisten. Dort kann auch gleich ein Schloss gekauft werden. Besonders beliebt sind die Schlösser in Herzform.) Den Brücken tut es zwar nicht weh, aber sie gehen davon kaputt: sie rosten und brechen durch oder unter der Last zusammen. Nicht immer, aber immer öfter.

Und nun also auch auf dem Kreuzberg ohne Wasser und ohne Brücke. Also geht es doch nur darum, der Welt oder wem auch immer zu sagen: WIR WAREN HIER! Habe ich das jetzt verstanden?
(Ach ja, und dann werden Fotos gemacht, die beweisen, dass das Liebespaar auch tatsächlich da war. Und die werden natürlich im Internet verbreitet. So verbinden sich Tradition und Moderne.)

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