Online-Kampagnen – nur eine Unterschrift?

gabihelmchen_online-kampagnen02     Veröffentlicht am 07.11.2014

Neulich wurde ich gefragt, ob ich wirklich immer alle Online-Kampagnen unterschreibe, die ich twittere und poste. – Ja, tue ich. – Und was bringt das? – Na, je nach dem, worum es geht, aber ich hoffe doch eine Menge. Das ist doch aber nur eine virtuelle Unterschríft, also damit tust du ja nicht wirklich etwas. – Wieso tue ich da nichts? – Einen Namen irgendwo drunter schreiben, ist doch keine Tat! – Doch, finde ich schon … Naja, so ging das noch eine Weile weiter. Ich konnte mein Gegenüber nicht davon überzeugen, dass virtuelles Handeln eben auch Handeln ist.

Es war keine Frage, dass eine Unterschriftensammlung in der Realität schon als Tat oder Handlung angesehen wird: ich bekunde, dass ich für oder gegen etwas bin mit meiner Unterschrift. Diese wird irgendwo eingereicht und soll etwas bewegen. Früher gab es viele Unterschriften-Aktionen: gegen Atomkraft, gegen Tierversuche, für den Erhalt einer Kita, für die Umbenennung einer Straße, gegen die Abholzung eines Baumes. Es standen (meistens) nette Menschen in den Einkaufsstraßen herum, sprachen die PassantInnen an, versuchten zu überzeugen. Die einen unterschrieben, die anderen nicht. War dieses Unterschreiben irgendwie merkwürdig? (Also nicht der Gegenstand, um den es ging, sondern die schlichte Tatsache der Unterschrift.) Nein, eigentlich nicht. Zu mindestens ist mir nie eine wirkliche Kritik über den Weg gelaufen.

Anders scheint es bei Online-Kampagnen zu sein. 1. Wird oft bezweifelt, dass die überhaupt etwas bringen. 2. Ist es vielen Menschen zu viel. Da ich mehrere Online-Kampagnen abonniert habe, bekomme ich täglich Aufrufe oder Informationen mit der Bitte um Unterstützung. Das heißt in diesem Fall: mit der Bitte um Unterschrift. Ich unterschreibe sie. ALLE! (Bis auf ganz wenige Ausnahmen.) Ich befreie Orcas aus ihren Wassergefängnissen, schütze den Regenwald, verhindere dass jemand ins Gefängnis kommt, sorge dafür, dass jemand aus der Gefangenschaft entlassen wird, rette die Bienen, unterstütze eine kranke Frau, der man ihren Hund wegnehmen will, erreiche das Aufenthaltsrecht für einen jungen Vater aus Afrika, der von seinem Kind und seiner deutschen Frau getrennt werden soll, verhindere weiteren Plastik-Müll, ………… Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Es funktioniert nicht immer Alles. Aber Vieles. Und das geht nur, wenn Millionen Menschen auf der Welt unterschreiben. Der Erfolg ist messbar. Jede Online-Kampagne veröffentlicht ihre Ergebnisse.

Es ist nicht wichtig, ob dieses Handeln schon als Engagement bezeichnet wird. Für mich ist von Bedeutung, dass meine Unterschrift etwas bewegt. Und wenn jemand meint, dass ich dass nur tue, damit ich als Gut-Mensch mein schlechtes Gewissen beruhige, dann stört mich das auch nicht. Ich werde weiterhin alle Online-Kampagnen unterschreiben, posten und twittern. Müssen sich meine FreundInnen und Follower eben ärgern oder selbst unterschreiben.

Campact.de – Demokratie in Aktion

change.org

AVAAZ.org – The World in Action

Amnesty International USA

Rettet den Regenwald e.V.

footwatch – die essensretter

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