Sir Simon Rattle – Chance vertan

gabihelmchen_#alleMenschen     Veröffentlicht am 23.10.2015

Die Berliner Philharmoniker spielen alle Sinfonien von Ludwig van Beethoven und Sir Simon Rattle dirigiert in der Berliner Philharmonie. Ein tolles Erlebnis. Den 1. Satz hätte Beethoven sicherlich genauso gewollt. Bei den anderen Sätzen bin ich mir nicht sicher. 

Friedrich Schiller, der die Ode „An die Freude“ 1785 veröffentlichte, war nach einiger Zeit nicht mehr so überzeugt von der Qualität eines seiner berühmtesten Gedichte. Er überarbeitete sie 1806, passte sie damit der veränderten politischen Lage an.

Ludwig van Beethoven war ein großer Fan der Ode. Lange überlegte er, ob er sie im 4. Satz seiner 9. Sinfonie vertonen soll. Wahrscheinlich entschied er sich erst gegen Ende 1823 für den Chor, also kurz vor der Erstaufführung im Jahr 1824.

Ich mag diese Sinfonie. Als Kunstbanausin könnte ich aber gut auf den Gesang verzichten. Für mich wäre eine rein instrumentale Version noch schöner. Aber das ist nicht wichtig. Schon gar nicht am vergangenen Freitag bei den Berliner Philharmonikern unter Sir Simon Rattle. Ich habe die Interpretation sehr genossen. Vor allem auch weil ich auf einem Lieblingsplatz saß: gegenüber vom Dirigenten mit Blick auf die Kontrabässe – wunderbar.

Umso enttäuschter war ich, als das Konzert zu Ende war. Damit habe ich nicht gerechnet. Sir Simon Rattle, die Berliner Philharmoniker und auch die Berliner Philharmonie – sie alle haben diese Chance vertan. Welche Sinfonie wäre besser geeignet in einer Zeit wie heute, mit Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg und Hunger und Unmenschlichkeit? Warum wurde dieser Abend nicht den Millionen Flüchtlingen gewidmet? Warum wurde nicht ein Teil der Einnahmen aus den Eintrittspreisen an eine der vielen Freiwilligen HelferInnen-Organisationen gespendet? Und wenn keine Spende und keine Widmung – warum gab es am Ende nicht wenigstens einen kleinen Gruß an die Millionen Flüchtlinge – es wäre zu mindestens eine Geste gewesen.

Die letzten beiden Zeilen der 1. Strophe könnten aktueller nicht sein!
Friedrich Schiller, Originalfassung von 1785:
Bettler werden Fürstenbrüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.

Friedrich Schiller, überarbeitete Fassung von 1806:
Alle Menschen werden Brüder,
wo dein sanfter Flügel weilt.

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