Weihnachten – Konsum ohne Anfang und Ende?

gabihelmchen_weihnachten     Veröffentlicht am 05.12.2014

Viele Menschen feiern erst dann so richtig Weihnachten, wenn sie Kinder haben. Also, ist Weihnachten ein Fest für Kinder? Von mir aus. Ich rede jetzt mal überhaupt nicht über Menschen, die Weihnachten aus religiösen Gründen feiern. Die haben eigene Regeln, da gelten andere Gesetze. Diejenigen, die behaupten sie feiern Weihnachten, weil es doch so schön ist für die Kinder, die haben vergessen, was Weihnachten sein könnte. 

Und für sie selbst – je nach Alter – vielleicht auch einmal war. Weihnachten war etwas Einmaliges: mit Baum, Süßigkeiten und Geschenken. Also, schon jedes Jahr wieder, aber eben nur einmal im Jahr. Den Baum gab es ab dem 24.12. – nicht früher. Stehen blieb er, je nach Geschmack (und wenn noch Nadeln dran waren) zum Teil bis Mitte Januar. Es waren echte Kerzen an dem Baum, die zum Kaffee trinken angezündet wurden, dann noch einmal abends, in ganz seltenen Fällen auch schon zum Frühstück. Niemand befürchtete ernsthaft einen Wohnungsbrand. Man war ja dabei, passte auf, und die Kinder saßen am Tisch, weil sie gerade aßen oder spielten auf dem Fußboden. Die Gefahr, dass der Baum umfiel, tendierte gen Null. Der Baum war das eine, das andere waren die Süßigkeiten. Es gab für jedes Familienmitglied zur Bescherung einen Pappteller voll mit Süßigkeiten und Nüssen. Theoretisch hätte man alles auf einmal aufessen können. Aber dann wäre der Teller leer gewesen. Und er wurde nicht wieder gefüllt. Das hieß: einteilen. Überlegen, was jetzt noch unbedingt gegessen werden musste oder doch vielleicht bis morgen warten konnte. Schon relativ kleine Kinder verstehen das Prinzip des Einteilens, der Eigenverantwortlichkeit. Und dann die eigentliche Bescherung: die Geschenke. Meistens bekam jede/r (je nach finanziellen Möglichkeiten) ein größeres und 2-3 kleinere Geschenke. Mit mindestens einem wurde ein Wunsch erfüllt, aber wichtig waren eben auch Überraschungen! Und das war’s. Es gab tatsächlich Freude, Staunen, Dankbarkeit – und das war das Einmalige an Weihnachten. Heute nehmen Eltern ihren Kindern die Chance auf dieses einmalige Erlebnis. Der Weihnachtsbaum leuchtet mit Kerzenketten spätestens ab dem 1. Advent. Durchgehend. Süßigkeiten gibt es das ganze Jahr. Immer, überall. Und Geschenke müssen schon im Adventskalender drin sein. Und im Nikolausstiefel. Und zu Ostern. Und Kleinigkeiten gibt es bei fast jedem Einkauf. Das ist schade. Ich bedaure heutige Kinder, dass sie die vielfältigen Gefühle, wie Freude, Staunen, Dankbarkeit in ihrer Einmaligkeit an Weihnachten nicht mehr erleben dürfen/können.

Nachbemerkungen:
Natürlich kann jede/r Weihnachten so feiern, wie es ihr/ihm Spaß macht. Wer 4-Wochen-Dauer-Weihnachten mag, kommt jetzt voll auf ihre/seine Kosten.
Natürlich war „früher“ auch Weihnachten nicht einfach für alle besser/schöner/friedfertiger. Aber die Chancen darauf waren größer. Ohne 4-wöchigen Konsumterror. Letztendlich liegt es an den Eltern, ob sie es schaffen, Weihnachten zu einem Fest für Kinder zu machen.

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