Zahlungsmoral – abhanden gekommen?

gabihelmchen_zahlungsmoral     Veröffentlicht am 31.10.2014

Der Vorgang ist eigentlich ganz einfach und immer gleich: A beauftragt B etwas für ihn zu tun. B tut das. A bekommt eine Rechnung. B erhält das Geld. So weit, so gut. Aber oft funktioniert das in der Realität nicht. Oder nicht mehr. Immer häufiger höre ich von nicht bezahlten Rechnungen, von verspäteten Zahlungen, von nervigem Schriftverkehr, von Mahnungen. War das schon immer so? Oder hat sich da etwas verändert? 

Kreative, die auf Honorarbasis arbeiten, können ein Lied davon singen. Selbständige, die viel arbeiten, aber nicht viel verdienen, stehen oft mit einem Bein im finanziellen Abgrund. Selbst größere Firmen laufen hinter ihrem Geld her und geraten dadurch selbst in Zahlungsnot. Steckt ein Prinzip dahinter? Hat sich die Zahlungsmoral so gewandelt? Nach dem Motto: zuerst komme ich, die anderen sind mir egal. Wenn es hier einen Wandel gibt, muss es dafür auch Ursachen geben. Könnte es sein, dass die ständige Verfügbarkeit von Waren und Dienstleistungen, die Möglichkeit der Ratenzahlung dazu beigetragen haben? Offline und Online gilt heute immer häufiger: Kauf jetzt – zahl später. Oder: Bestell 5, schick 4 zurück. Zahle 36 Monatsraten á 3,99€ ohne Zinsen. Das ist für viele sehr verlockend. Wird daraus dann der Schluss gezogen, das geht immer und überall? Geht doch eigentlich nicht: ich kann nicht beim Bäcker Brot kaufen, es halb aufessen, dann zurückbringen und evtl. nächsten Monat bezahlen. Hier lautet die Devise immer noch: jetzt gekauft, jetzt bezahlt.

Um auf die Kreativen und Selbständigen zurück zu kommen. Bzw. auf die AuftraggeberInnen. Manche Geschichten, die mir über den Weg gelaufen sind, könnten schon fast amüsant sein, wenn es nicht reale Menschen beträfe, die von einem Honorar leben müssen, die mit eingenommenem Geld ihre Rechnungen bezahlen müssen.

Z. B. ein Floristin, die eine hochrangige politische Persönlichkeit wöchentlich mit Blumen beliefert. 5 Monate wartet sie auf die Bezahlung der Rechnung. Auf Nachfrage teilt ihr die Sekretärin der Persönlichkeit mit: sie solle doch stolz darauf sein, dass sie dieser Person Blumen liefern darf. Damit könne sie doch gut auf ihrer Website werben!
Oder die Historikerin, die per Mail mehrfach den Auftraggeber an die Begleichung der Rechnung erinnert. Sich dann zu einem „nur leicht mahnenden“ Brief entscheidet. Und daraufhin die gepfefferte Antwort bekommt, es wäre doch schon bezahlt worden, sie solle mal ihren Kontostand überprüfen. Da hatten sich Geld und Post überschnitten. 6 Wochen nach dem vereinbarten Zahlungsziel!
Oder die Dozentin, die in einem für jeden sichtbaren und zugänglichen Sozialen Medium vor einem Arbeitgeber wegen seiner schlechten Zahlungsmoral warnt. Erst danach wird Kontakt zu ihr aufgenommen. Nur wenige Tage später ist das Honorar überwiesen. Vorher aber hat sie über Wochen ohne Erfolg gemailt und telefoniert!
Diese Liste ließe sich fortsetzen …

Nicht unterschlagen möchte ich an dieser Stelle, einige Reaktionen von AuftraggeberInnen:
Ich habe selbst noch Außenstände!
Haben Sie das Geld so nötig?
Also, wenn Sie auf sofortige Bezahlung drängen, dann wird das mit den Folgeaufträgen nichts!
Das war so nicht abgesprochen. Dem 14-tägigen Zahlungsziel habe ich nicht schriftlich zugestimmt!
Nun machen Sie sich mal nicht so wichtig. Sie bekommen ihr Geld schon. Oder was wollen Sie mir da eigentlich unterstellen?!
Auch diese Liste ließe sich fortsetzen …

Allen nicht-zahlenden AuftraggeberInnen ist eines gemeinsam: eine arrogante Ignoranz gegenüber den AuftragnehmerInnen.

Eigentlich ist es doch ganz einfach: A beauftragt B. B führt Auftrag aus. A zahlt. Und zwar sofort. Und zwar die ganze Summe. Und zwar ohne Erinnerung. Punkt.

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